Die Firma Hebmüller
Der Firmengründer war der 1865 geborene Joseph Hebmüller.
Er hatte Stellmacher gelernt und war auf der Suche nach Arbeit 1888 nach Wuppertal-Barmen gekommen.
Seine dritte Anstellung endete damit, daß der Betrieb in dem er arbeitete in Konkurs ging und er sich fragte,
wie es wohl weitergehen würde. Zufällig hatte er gerade sein Erbteil von 600 Silbertalern ausgezahlt bekommen
und so wagte er es und übernahm den Betrieb. Das war am 15. Oktober 1889. Schon einen Monat später heiratete er
seine Frau Elisabeth. Der junge Betrieb baute erfolgreich Pferdekutschen und Pferdewagen und wurde schnell größer.





Die Hebmüllers hatten vier Söhne die alle in der Wagenmacherei groß wurden.
Joseph junior lernte Stellmacher, Emil wurde Wagenschmied, Paul lernte im Kaufmännischen Bereich und Erich wurde
Sattler. Die neue Generation war vom Automobil fasziniert und diesem neuen Bereich des Karosseriebaus
gegnüber aufgeschlossen. Als Joseph Hebmüller senior im Jahre 1919 stirbt übernehmen die beiden älteren
Söhne Joseph und Emil den Betrieb.





Die zwanziger und dreißiger Jahre brachten großen Erfolg und Expansion des Betriebes.
Neben Aufbauten für Nutzfahrzeuge wurden Karosserien aller Art gefertigt. Viele davon waren wunderschöne und
elegante Coupes und Cabrios die keinen Vergleich mit anderen Karosserie Manufakturen zu scheuen brauchten.
Inzwischen wurde in Barmen und in zwei Werken in Wülfrath produziert.





Schon vor, aber vor allem während des Krieges, wurden Karosserien für verschiedene Wehrmachtsfahrzeuge
produziert. Eine etwas ungewöhnliche Episode war die Produktion von hölzernen Flugzeugatrappen die zur Ablenkung
feindlicher Angriffe benötigt wurden. Die Schäden durch Luftangriffe an den Werken in Barmen und Wülfrath wurden
zwischen 1944 und 1946 wieder behoben.
Schon bald nach Kriegsende folgen neue Aufträge, zunächst von den britischen Besatzern. Für diese wurden
Instandsetzungen und Reparaturen vorgenommen, sowie einige Cabrio Aufbauten gefertigt.
Ohnehin eine der Spezialitäten der Firma.
Ein willkommener Auftrag kam 1947 aus dem britisch kontrollierten Wolfsburg. Für die Polizei wurden
Cabrio-Umbauten des Volkswagens benötigt. Die Limousinen wurden von Hebmüller vollständig überarbeitet
und zu Einsatzfahrzeugen mit einfachem Verdeck und offenen Seiten umgebaut.


Angeregt vom Wagen des Oberst C.R. Radclyffe, dem britischen Militärkommandanten für Wolfsburg, war dem
Freund der Hebmüllers, dem VW Großhändler Schultz aus Essen, eine Idee für eine weitere Karosserievariante
des Volkswagens gekommen.
Radclyffe hatte sich einen VW zu einem Cabrio umbauen lassen. Es zeichnete sich allerdings durch eine besondere
Linienführung aus, da es sich um einen Zweisitzer handelte der ein verkürztes Dach und eine verlängerte
Motorhaube hatte. Die hinteren Seitenfenster entfielen ganz.




1948 wurden Prototypen gefertigt und mit einem für damalige Verhältnisse üppigen Chrompaket versehen.




Den Verantwortlichen bei Volkswagen müssen sie gefallen haben denn es wurden zunächst 675 Stück der schnittigen
Zweisitzer offiziell in Auftrag gegben. Später erhöhte sich der Auftrag auf 2000 Stück.
1949 war dann die endgültige Form mit einer sehr markanten Hutze auf der langen Motorhaube gefunden
und die Serienfertigung kam in Gang.




Am 23. Juli 1949 ereignete sich allerdings ein tragisches Unglück. Mittags brach im Wülfrather Hauptwerk ein
verheerender Brand aus, der das gesamte Werk in Schutt und Asche legte. Damit war zunächst die Produktion
lahmgelegt. Wolfsburg jedoch machte Druck und bestand auf den vertraglich vereinbarten Lieferungen.
Also wurde in aller Eile eine Notproduktionsstätte errichtet und mit Nachdruck am Wiederaufbau der Hallen gearbeitet.




Entgegen der weit verbreiteten Annahme daß der Brand das Ende der Firma Hebmüller darstellte, lief die Fertigung
bald wieder an und die weitaus meisten VW Hebmüller wurden danach produziert. Parallel entstanden unter anderem
Rennwagen für Veritas und schöne zweisitzige DKW Karosserien.



Im Jahre 1951 war der Wiederaufbau der verbrannten Anlagen abgeschlossen. Er hatte aber viel mehr
Geld verschlungen als über die Versicherungen abgedeckt war. Die Firma kam in Zahlungsschwierigkeiten
und trotz gut gefüllter Auftragsbücher waren keine Kredite zu bekommen. Das führte dazu daß es im Mai 1952
zu Ende ging und Karosserie Hebmüller Söhne Konkurs anmelden mußte.
Von den 2000 bestellten VW Cabriolet Zweisitzern sind nur 696 gebaut worden.

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